Psychische Stärke – Was bestimmt unser seelisches Gleichgewicht?

Du kennst sicher auch diesen Typ Mensch, den scheinbar nichts umhauen kann. Jede Widrigkeit des Lebens meistert er souverän und lässt sich durch nichts unterkriegen. Woran liegt das? Wie macht der das? Und fragst du dich, warum das bei dir anders ist? Was bestimmt unsere psychische Stärke?

WAS IST PSYCHISCHE STÄRKE?

Was ist eigentlich „psychische Stärke“ oder „psychische Gesundheit“? Das Gegenteil von psychischer Krankheit oder psychischer Schwäche? Und wann ist man eigentlich überhaupt gesund oder krank? Stark oder schwach? Wer oder was bestimmt das?

Fragen über Fragen.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Gesundheit definiert als „Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“.

Nun ja. Das mit dem Wohlbefinden ist ja bekanntlich eine ziemlich subjektive Sache. Ein und derselbe Zustand mag von unterschiedlichen Personen durchaus auch sehr unterschiedlich empfunden und beurteilt werden. Daher lässt sich oftmals nicht wirklich genau sagen, wo Gesundheit aufhört und Krankheit anfängt. Da gibt es auch keinen Krank-oder-Gesund-Schalter, der entweder ein- oder ausgeschaltet werden kann. Der Zustand bewegt sich vielmehr wie auf einem Schieberegler zwischen den Polen „überhaupt kein Wohlbefinden“ und „völliges Wohlbefinden“.

Psychische Gesundheit lässt sich also gar nicht so einfach und eindeutig definieren und wird individuell unterschiedlich empfunden.

Aber warum reagieren Menschen eigentlich überhaupt auf die gleichen Belastungen und Umstände oftmals so vollkommen unterschiedlich? Warum wird der eine komplett aus der Bahn geworfen, der andere nicht? Wer oder was entscheidet darüber, wie schnell oder wahrscheinlich wir von irgendwelchen negativen Ereignissen psychisch beeinträchtigt werden?

Wirklich geklärt sind diese Fragen aus wissenschaftlicher Sicht bis heute nicht, es gibt jedoch einige Faktoren, die einen Einfluss auf unsere psychische Stärke und unser Wohlbefinden haben.

RISIKOFAKTOREN

Dazu gehören einerseits die sogenannten Risikofaktoren, die eine negative Wirkung haben können. Hierzu zählen z.B.

  • Biologische und genetische Faktoren
    Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass es eine erblich bedingte Komponente gibt, wie gut wir mit belastenden Situationen umgehen können und wie verletzlich unsere Seele ist. Aber keine Panik: Das heißt nicht, dass du durch deine Gene zu einem Leben mit Depression, Angststörung oder Alkoholsucht verdammt bist. Selbst wenn du wirklich eine solche erbliche Disposition haben solltest, kann das durch andere Faktoren ausgeglichen werden (siehe unten).
  • Psychische Faktoren
    Es gibt bestimmte Denkweisen und Persönlichkeitsmerkmale, die sich negativ auf unsere psychische Gesundheit auswirken. Dazu zählen z.B. eine niedrige Frustrationstoleranz, ein schlechtes Selbstwertgefühl, ein geringes Selbstbewusstsein und eine pessimistische Grundeinstellung.
  • Soziale Faktoren
    Auch unsere äußeren Lebensbedingungen können einen schlechten Einfluss auf unser Seelenheil haben. Hierzu gehören z.B. starke berufliche oder private Belastungen, außergewöhnliche schwerwiegende Lebensereignisse (wie der Verlust eines nahestehenden Menschen), allgemeiner sozialer Stress, finanzielle Sorgen oder auch eine ungesunde Lebensführung.

Keiner dieser Faktoren ist in der Regel allein dafür verantwortlich, ob jemand z.B. an einer psychischen Störung erkrankt. Erst wenn mehrere dieser Risikofaktoren zusammenkommen, wächst die Wahrscheinlichkeit, eine psychische Krankheit zu entwickeln.

SCHUTZFAKTOREN

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch eine Menge sogenannter Schutzfaktoren, die sich positiv auf unsere psychische Gesundheit auswirken.  Je mehr solcher schützender Faktoren vorhanden sind, umso stabiler ist unsere Seele. Besonders nützlich ist es, wenn bereits in Kindheit und Jugend das Fundament für eine starke Psyche gelegt wurde. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass unter anderen folgende Faktoren sehr wichtig für die Entwicklung einer guten psychischen Gesundheit sind:

  • Das Aufwachsen in einem positiven Erziehungsklima, das Liebe, Struktur und Halt gibt
  • Ein gutes Verhältnis und eine stabile emotionale Beziehung zu mindestens einem Elternteil
  • Vorbilder, die zeigen, wie man mit schwierigen Situationen positiv umgeht
  • Bezugspersonen und soziale Unterstützung auch außerhalb der Familie (Freunde, Lehrer, Vereine etc.)
  • Frühe Erfolgserlebnisse in Kindheit und Jugend, z.B. Verantwortung übernehmen für Geschwister oder ein Haustier, Mitgliedschaft in einem Sportverein oder einer Jugendgruppe etc.
  • Die Erfahrung und Verinnerlichung, dass man selbst durch das eigene Handeln etwas bewirken kann
  • Das Vorhandensein bestimmter Persönlichkeitsmerkmale und individueller Eigenschaften. Allen voran ist hier die sogenannte „Resilienz“ zu nennen. Damit ist eine psychische Widerstandsfähigkeit gemeint, durch die Menschen in der Lage sind, Krisen, Stress und schwierige Situationen gut zu bewältigen.
  • Eine gesunde Lebensweise in Form von bewusster Ernährung und körperlicher Betätigung. Es ist z.B. wissenschaftlich erwiesen, dass regelmäßige Bewegung an der frischen Luft bei leichten Depressionen einen vergleichbaren Effekt hat wie eine medikamentöse Behandlung mit einem Antidepressivum.

 

Wenn du jetzt beim Lesen gerade festgestellt hast, dass auf dich ziemlich wenige der genannten Schutzfaktoren zutreffen, dann musst du trotzdem nicht verzweifeln. Du kannst auch jetzt – gleich heute – damit anfangen, selbst aktiv deine psychische Gesundheit und Widerstandskraft zu stärken.

Wie du das machst, erfährst du in diesem Artikel:

RESILIENZ: WIE STÄRKE ICH MICH FÜR’S LEBEN?

 

Was denkst du darüber?

Was sind deine Erfahrungen mit psychischer Stärke? Gibt es Menschen, die von Natur aus stabiler sind als andere? Glaubst du, dass es möglich ist, die eigene psychische Widerstandskraft zu verbessern? Hast du vielleicht sogar eigene Erfahrungen mit dem Thema, die du mit uns teilen willst? Ich freue mich auf deine Kommentare unter diesem Beitrag und einen spannenden Austausch!

Titelbild: by Toni B. Gunner

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